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  • AutorenbildAneesha C. Mueller

Der Vagus Nerv und warum wir nur dann vor Lebensfreude sprühen, wenn der Vagus Nerv gut geölt ist

Aktualisiert: 27. Jan. 2023



In diesem Artikel möchte ich dir erklären, was der Vagus Nerv ist, warum er so wichtig ist, und was dazu beiträgt, dass er gesund und voll entwickelt seinen Dienst tut. Und natürlich auch, was wir tun können, wenn das nicht der Fall sein sollte. Im zweiten Teil des Artikels erfährst du, warum wir manchmal im Funktionsmodus stecken bleiben, statt auf Hochtouren zu laufen und vor Lebensfreude zu sprühen.


Dazu müssen wir uns erstmal das autonome Nervensystem genauer ansehen; es unterteilt sich auf der ersten Ebene in Sympathikus und Parasympathikus. Der Vagus Nerv ist ein Teil des Parasympathikus und fächert sich in unserem gesamten Körper aus. Er hat großen Einfluss auf Herz, Lunge, Stoffwechsel, Verdauung, Hormonhaushalt, Schlaf und, ja, auch unsere Stimmung. Diese betroffenen Organe sind eng verbunden mit dem Vagus Nerv, und dieser hat damit einen großen Einfluss auf unser Wohlbefinden und unsere Gesundheit.


Der Parasympathikus, von dem der Vagus Nerv ein wichtiger Teil ist, steuert die Körperfunktionen in der Ruhephase. Er dient der Regeneration, der Verdauung und dem zur Ruhe kommen, d.h. er wird generell dann aktiv, wenn wir entspannen und vielleicht auf der Couch ein Buch lesen. Er ist für Schlaf, Ruhe und Verdauung zuständig.


Im Vergleich dazu ist der Sympathikus maßgeblich verantwortlich für körperliche und geistige Leistungen. Er bewirkt, dass unser Herz schneller schlägt und bereitet alle Muskeln darauf vor, aktiv zu arbeiten. Auch wenn wir Sport machen oder joggen wollen, brauchen wir den Sympathikus für die nötige Energie.


Darüber hinaus ist der Sympathikus verantwortlich für den Überlebensmechanismus Kampf/Flucht. Wenn wir uns bedroht fühlen, steuert der Sympathikus diese Stressreaktion und bringt uns dazu, in Aktion zu treten. Dabei leidet auch die Verdauungstätigkeit, denn sie wird runtergeschraubt, weil der Körper seine Kräfte eben zum Flüchten oder Kämpfen einsetzt, oder es zumindest versucht.

Der Parasympathikus dagegen ist zuständig für den Überlebensmechanismus der Erstarrung. Dieser greift, wenn die Überlebensreaktion des Sympathikus Kampf/Flucht, sprich weglaufen oder kämpfen, keine Option mehr sind und wir in die totale Überforderung geraten.


Der Parasympathikus teilt sich in zwei Stränge des Vagus Nervs auf: Den Ventralen Vagus Nerv – er ist zuständig für das soziale Miteinander – und den Dorsalen Vagus Nerv – er ist zuständig für Schlaf, Ruhe und Verdauung und auch für den Überlebensmechanismus des Erstarrens.


Der Dorsale Vagus Nerv ist voll ausgebildet, wenn wir geboren werden. Erstarrung ist also die einzige Option für den Körper des Babys, sein Überleben zu sichern. Der Ventrale Vagus Nerv ist jedoch noch nicht voll entwickelt, wenn wir geboren werden. Die Anlage dafür ist da, aber die volle Ausprägung des Ventralen Vagus Nervs wächst und gedeiht erst nach der Geburt während der ersten drei Jahren unseres Lebens.


Allerdings braucht es zur gesunden Entwicklung des Ventralen Vagus Nervs bestimmte Bedingungen. Die Rolle der Mutter als „primary care giver“ ist dabei ausschlaggebend. Für die gesunde Entwicklung des Ventralen Vagus Nervs braucht es also eine Mutter (oder andere Bezugsperson, die das Baby und Kleinkind regelmäßig pflegt), die emotional stabil und verfügbar ist, die einfühlsam genug ist, wahrzunehmen, was das Baby braucht und diese Bedürfnisse auch erfüllt, und die den Gemütszustand des Babys adäquat spiegeln kann. All das muss genügend oft, regelmäßig und verlässlich der Fall sein. Wenn dem nicht so ist und das Nervensystem der Mutter nicht gut reguliert ist, kann sich dieser Teil des Parasympathikus, also der Ventrale Vagus Nerv, nicht vollständig entwickeln.


Man stelle sich nur mal vor; wenn die Mutter selbst kein gut reguliertes Nervensystem hat und deshalb sehr reaktiv ist und sich selbst schlecht beruhigen kann, wie könnte sie dann helfen, das Nervensystem des Babys zu regulieren, wenn das Baby Angst hat oder wütend ist?





Wie wir gesehen haben, müssen wir als Babys und kleine Kinder diesen Teil des Vagus Nervs, den Ventralen Vagus Nerv, erst noch ausbilden und sind deshalb voll und ganz auf die Mutter (oder andere Bezugsperson) angewiesen. Damit wir als Babys ein gesundes Nervensystem entwickeln, muss die Mutter selbst ein gesundes und gut reguliertes System haben. Sie muss in der Lage sein, mit dem Baby in Verbindung zu sein, ihm in die Augen zu sehen, ruhig und geerdet zu sein, und ihre Liebe fließen zu lassen. Es ist auch nötig, dass sie im geerdeten und ruhigen Zustand oft genug Körperkontakt mit dem Baby herstellt und es in ihren Armen hält. All das braucht ein Baby, damit es eine sichere Bindung zur Mutter aufbaut und einen voll ausgebildeten Ventralen Vagus Nerv entwickelt.


Wenn die Mutter all diese Eigenschaften mitbringt und lebt, ist sie in der Lage, das Baby auch zu beruhigen, wenn es unruhig ist und schreit. Wenn die Mutter Ruhe bewahrt, das Baby mit offenen, liebenden Augen ansieht und in den Arm nimmt, wird sich das Kind beruhigen. Das nennt man Co-Regulation.


Das funktioniert aber leider genauso andersrum. Wenn die Mutter also nicht geerdet und ruhig bleibt, wenn ihr Baby schreit, sondern selbst ungeduldig, genervt, oder besorgt reagiert, auch dann funktioniert die Co-Regulation und das Baby nimmt diese Gefühle auf und schreit noch mehr.

Ich weiß das nur zu gut. In meinem Fall war es mit meiner eigenen Mutter auch so, dass sie selbst häufig in einem genervten, angespannten Zustand war. Manchmal war sie aber auch sehr ängstlich und besorgt. In diesem Zustand konnte sie mir nicht helfen, mich zu regulieren und runterzubringen. Im Gegenteil, es führte dazu, dass mein eigenes Nervensystem permanent im Spannungszustand war. Wenn ich z.B. nichts getrunken hatte, war sie besorgt und hilflos. Und ich habe es dann genauso in meinem eigenen Körper gespürt als Baby. Manchmal spüre ich es heute noch.


Ein solcher Dauerzustand kann dazu führen, dass der Sympathikus (derjenige der uns in lebensbedrohlichen Situationen weglaufen oder kämpfen lässt) in unserem Erwachsenenleben dominant geworden ist. Dann trimmt er unser Verhalten, auch im ganz normalen Leben, auf reines Überleben. Natürlich meist, ohne dass wir uns darüber bewusst sind.


Der Sympathikus schickt uns dabei immer in einen aktiven Zustand, sprich in eine Fight/Flight Reaktion. Wenn uns eine Situation zwingt, um unser Überleben zu kämpfen, zwingt uns der Körper zu kämpfen oder davor zu fliehen. Unser System fährt auf Hochtouren und wir treten in Aktion angefeuert allein durch unser autonomes Nervensystem. Diese Stressreaktion, die unserem Überleben dient, passiert instinktiv, automatisch und blitzschnell. Wir handeln, ohne darüber nachzudenken. Denn so schnell denken können wir gar nicht. Das Nervensystem übertrumpft das Denken haushoch. Wir handeln impulsiv, gesteuert durch die Stressreaktion. Und das, obwohl es in der Realität nicht um Leben oder Tod geht. Aber unser Nervensystem gibt uns ein anderes Signal.

Nun müssen wir in Wirklichkeit ja nicht ständig ums Überleben kämpfen in unserer heutigen Zeit. Als wir noch Babys waren, stand jedoch häufig unser Überleben auf dem Spiel, und das hat sich in unser Nervensystem eingebrannt. Denn ein Baby weiß noch nicht, dass die Mama irgendwann wiederkommt und es Essen gibt, wenn sie eben nicht zur gewohnten Zeit da ist und uns füttert. Schon die Kleinsten Abweichungen vom „Gewohnten“ kann uns als Babys derart verunsichern, dass wir nicht mehr wissen sind, ob unser Überleben gesichert ist. Natürlich hat dies auch sehr viel damit zu tun, ob das Baby eine sichere Bindung zur Mutter aufbauen kann oder nicht.




Warum stecken wir fest im Funktkionsmodus statt auf Hochtouren zu laufen und vor Lebensfreude zu sprühen?


Ja, warum ist das so, dass wir manchmal feststecken im Funktionsmodus statt auf Hochtouren zu laufen und vor Lebensfreude zu sprühen? Genau DAS ist der Grund: Ein dysreguliertes Nervensystem.


Es gibt zwei Modi, die mein Leben so richtig durcheinanderbringen können. Wenn mein Nervensystem derart konditioniert ist, dass es in der Fight/Flight-Reaktion feststeckt, können wir nicht oder nur schwerlich wirklich runterkommen und entspannen. Wir laufen zwar auf Hochtouren, aber angefeuert wird das nur durch jede Menge Adrenalin und Cortisol im System. Nicht gesund auf Dauer. Aus reiner Inspiration und Freude auf Hochtouren zu laufen ist etwas ganz anderes.

Noch schlimmer ist es, wenn uns das, was in unserer frühen Kindheit regelmäßig überfordert hat, mit Kampf oder Flucht nicht zu lösen war und unser Nervensystem deshalb lernte, dass nur die Erstarrung unser Überleben schützt. Denn dann stecken wir höchstwahrscheinlich in einer chronischen Erstarrung fest.


Wie können wir das feststellen? Nun, wenn du wenig Energie hast, chronisch müde bist, sich der Kopf langsam und vernebelt anfühlt, und unser Stoffwechsel auf Sparflamme läuft, sind das wichtige Indizien. Außerdem haben wir dann in der Regel eine sehr kurze Zündschnur, d.h. wir reagieren sehr schnell und sehr stark auf sogenannte Trigger. Ein schiefer Blick kann reichen, um das Fass zum Überlaufen zu bringen. Generell ist genau das das vorherrschende Gefühl. Nämlich, dass das Fass voll ist. Jedes bisschen zusätzlicher Stress lähmt uns noch mehr. Und vor allem sind wir weder in unserer Kraft, noch erleben wir die volle Lebensfreude. Im Gegenteil, wir fühlen uns abgestumpft, dumpf, vielleicht sogar ein bisschen hoffnungslos. Aber wir funktionieren immer noch irgendwie. Das nennt man dann Funktionelle Starre („functional freeze“). Wenn du dich umschaust in der heutigen Gesellschaft, wirst du sehen, dass dieser Zustand gar nicht so selten ist.


Nun, es ist interessant, dass manche Menschen sehr gut funktionieren in dem Zustand der Funktionellen Starre. Sie leben in der Regel ein ziemlich normales Leben. Allerdings fallen sie immer wieder in Muster zurück, die sie zwar gerne ändern würden, es aber nicht schaffen. Sie akzeptieren die ungewünschten Lebensumstände und geben vor, damit zufrieden zu sein. Sie scheinen ganz normal zu sein und ihr Leben zu leben, so wie jeder andere Mensch auch.


Aber die Funktionelle Starre bleibt nicht ohne Folgen. Unsere Körperfunktionen, wie zum Beispiel die Verdauung, werden stark beeinträchtigt. In der Funktionellen Starre haben wir grundsätzlich zu wenig Sauerstoff. Wir haben keine gesunde Regulation des Nervensystems. Aber ein gesundes Nervensystem ist nötig für grundlegende Organfunktionen wie hormonelle Gesundheit, gesunder Schlaf, Stoffwechselgesundheit - und damit ein fitter, schlanker Körper, der viel Energie hat. Aber nicht nur das, uns fehlt es auch an Produktivität und Kreativität. Der Erstarrungs-Mechanismus hindert uns daran, sich inspiriert und voller Energie zu fühlen! Schlimmer noch, es können sich auch langfristige Depressionen oder Ängste bei den Betroffenen entwickeln.


Es ist nicht so, dass wir immer in dieser Erstarrung leben. Es ist vielmehr so, dass bestimmte Lebensumstände diesen Umstand hervorrufen können, sodass wir in diesen Erstarrungsszustand zurückfallen. Genauso wie in unserer Kindheit. Unser Körper versucht uns immer noch zu schützen, genau wie als Kind. Damals hatten wir vielleicht auch das Gefühl, wir würden sterben, weil die Mutter nicht nach uns geschaut hat, als wir schreiend im Gitterbettchen lagen und Angst hatten oder uns kalt war.


Natürlich sterben wir als Erwachsene in solchen Situationen nicht, aber unser Nervensystem verhält sich so, als ob wir es tun würden. Das Nervensystem ist noch immer in diesem Verhaltensmodus, gerade so, als ob wir kurz vor dem Tod wären.


Das Schlimme daran ist, dass wir diese Reaktion unseres Körpers nicht verhindern können. Unser Nervensystem herrscht über diese Reaktion, es geschieht instinktiv, blitzschnell und automatisch. Unser Denken kann die Reaktionen des Nervensystems nicht überschreiben. Wir können daher schwer etwas dagegen unternehmen, weil es eben nicht in unserem bewussten Handeln geschieht.

Was wir dagegen unternehmen können, ist Hilfe anzunehmen. Es gibt tatsächlich Methoden, die uns aus dieser Funktionellen Starre herausbringen können und die uns helfen können, das Nervensystem zu einer gesunden Regulation zurückzubringen. Dabei ist die Arbeit mit dem Ventralen Vagus Nerv ausschlaggebend. Denn dieser Teil des Nervensystems ist maßgeblich beteiligt an der gesunden Regulation des Nervensystems. Ich kann dir also nur ans Herz legen, das Gespräch mit einem Therapeuten aufzusuchen. Ich selbst „schwöre“ auf die Methoden Somatic Experiencing und TRE. Am erfolgreichsten ist in meiner Erfahrung eine Kombination dieser beiden Methoden.



Du kannst auch Zuhause deinen Vagus Nerv ölen - hier ist wie:


Zum Schluss möchte ich dir doch gerne eine Übung an die Hand geben, die dir helfen kann, deinen Ventralen Vagus Nerv zu „ölen“. Wenn du dem ventralen Vagus Nerv hilfst, sich besser zu entwickeln und „online“ zu sein, ist das ein wichtiger Schritt in Richtung Gesundung deines Nervensystems.


Mein persönlicher Favorit ist das Summen, Singen oder Chanten. Ich mag alle Variationen davon sehr, und praktiziere mindestens eine von ihnen täglich. Du hast wahrscheinlich schon einmal bemerkt, wie viele alte Kulturen Gesangszeremonien entwickelt haben und regelmäßig singen, auch ohne feierlichen Anlass. Wenn man bedenkt, dass die Aktivierung des Ventralen Vagus Nervs ein absolut wesentliches Element zum sozialen Miteinander und damit zur Gewährleistung des Stammeszusammenhalts und der Gruppen-zugehörigkeit ist, verwundert es nicht, dass Gesang ein integraler Teil der Stammeskultur ist.


Dein Vagus Nerv ist direkt mit deinem Kehlkopf und deinen Stimmbändern verbunden. Versuch es einfach mal zuhause. Erstelle z.B. eine Wiedergabeliste mit Liedern, die du wirklich gerne summen oder singen magst – unter der Dusche, in der Küche beim Frühstück machen, wo auch immer du einen Moment hast.


Solltest du doch den inneren Ruf verspüren, die ganze Bandbreite der Heilung anzugehen, sprich mich gerne an, um einen kostenlosen Termin mit mir zu vereinbaren. Das erlaubt dir herauszufinden, ob es passt zwischen uns und mir, zu sehen, ob und wie ich dich begleiten kann auf dem Weg zu mehr Energie, Inspiration, und Lebensfreude. Meine Telefonnummer findest du auf der Homepage, oder email mir gerne an info@liveloveshine.net. Ich freu mich, von dir zu hören.



Hab dich wohl, liebe Grüße und bis bald,

Aneesha


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