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  • AutorenbildAneesha C. Mueller

Wie unbewusstes Trauma Deine Beziehung untergräbt

Aktualisiert: 27. Jan. 2023




Trauma, insbesondere unbewusstes Kindheitstrauma, kann deine Beziehung untergraben in einer Art und Weise, die es nicht durchscheinen lässt, was genau passiert ist. Es ist wie Selbstsabotage, die unerkannt im Hintergrund abläuft. Und das Schlimme daran: Oft sind wir uns gar nicht bewusst, dass wir Trauma in uns tragen. Und wir wissen noch viel weniger, welche Auswirkungen dies hat.


Frühes Kindheitstrauma ist ein solcher Übeltäter, der tatsächlich zur Selbstsabotage führt. Wir haben kein Erinnerungsvermögen während der ersten drei Jahre unseres Lebens. Aber der Körper, der weiß es. Der Körper vergisst nichts. Und das ist der Grund, warum wir uns hier und da seltsam verhalten, bei der kleinsten Kleinigkeit aus der Haut fahren, oder auf dem Schlauch stehen und nichts zu sagen wissen, weil der Kopf eine einzige Mattscheibe ist. Das ist der Grund, warum wir uns vielleicht zurückziehen und still sind, obwohl es in uns brodelt, oder warum wir uns immer wieder mit unseren Lieben streiten. Warum ist das so und was passiert da genau?


Erstmal möchte ich Klarheit schaffen darüber, was Trauma eigentlich ist. Denn oft wird dies missverstanden. Dr. Peter Levine, der Vater und Gründer von Somatic Experiencing, beschreibt es so: "Ein Trauma entsteht als eine Antwort des Nervensystems und hat seinen Ursprung nicht in einem äußeren Ereignis. Das Trauma ist im Nervensystem, nicht in dem Ereignis."


Wenn wir Erfahrungen machen, die unsere Toleranzschwelle überschreiten, werden Überlebensstrategien wie Flucht, Kampf oder Einfrieren (Fight/Flight/Freeze) getriggert. Wenn uns das als Erwachsener passiert, wir aber einen gut ausgebildeten Vagus Nerv haben, kann der Körper relativ schnell wieder in den normal Zustand zurück kommen. Was der Vagus Nerv ist, kannst du in diesem Artikel nachlesen. Wenn wir aber als Baby oder Kleinkind regelmäßig Erfahrungen machen mussten, die unsere Toleranzschwelle überschritten haben, ist es für uns, auch heute als Erwachsene, nicht ganz so leicht, wieder in den Normalzustand zurück zu kehren. Oft bleiben wir dann im biochemischen Cocktail von Fight/Flight/Freeze stecken, und das zeigt sich in erhöhten Adrenalin und Cortisolwerten, aber eben auch chronisch verspannten Muskeln, körperlichen Schmerzen, wiederkehrenden Konflikten, oder chronischem Stress.


Im Folgenden erfährst du, welche Auswirkungen Trauma auf dich haben kann und wie es sich auf die Beziehung zu deinem Partner auswirken kann:


1. Trauma verändert deine Denkprozesse: Kindheitstrauma kann die Art und Weise verändern, wie du über dich selbst, andere und die Welt um dich herum denkst. Wenn ein Kind mit einer sicheren emotionalen Bindung zur Mutter aufwächst, entwickelt es normalerweise ohne große Schwierigkeiten ein tiefes Vertrauen in sich und die Welt und ist in der Lage, intuitiv zu wissen, wem es vertrauen kann und wem nicht. Aber diejenigen, die Kindheitstrauma mit sich tragen, denken vielleicht: "Ich kann niemandem vertrauen oder an mich heranlassen." Oder vielleicht bist du nur alzu bereit, anderen zu vertrauen und dir fehlt die Fähigkeit zu wittern, wenn Gefahr droht. Oder du bist sehr bedürftig, und das Verlangen nach Liebe und Nähe in dir ist so gut wie unstillbar. All das wirkt sich auf die Art und Weise aus, wie du mit anderen umgehst, auch mit deinem Partner.


2. Trauma führt dazu, dass du hyperalarmiert bist: Ein Trauma aktiviert das Angstzentrum unseres Gehirns, das uns in einen Kampf-Flucht-Zustand versetzt, um unser Überleben zu schützen. Dein Gehirn kann jedoch auch nach einem traumatischen Erlebnis in diesem Zustand der Übererregung bleiben. Es kann sein, dass du auf alles reagierst, was dein Gehirn als potenziell bedrohlich empfindet, unabhängig davon, ob es sich tatsächlich um eine Bedrohung handelt oder nicht. Wenn du zum Beispiel auf der Straße angegriffen wurdest, kann es sein, dass du jedes Mal einen Angstschock bekommst, wenn dich jemand zufällig anrempelt.


3. Trauma verursacht eine kurze Zündschnur: Wenn du von Kindheitstrauma betroffen bist, kann auch ein komischer Blick oder ein falsches Wort deines Partners, oder viele andere kleine Trigger, dazu führen, dass dein Nervensystem in eine Kampf-Flucht-Reaktion versetzt wird. Vielleicht erstarrst du sogar. Die Erstarrungsreaktion passiert dann, wenn Kampf oder Flucht nicht möglich sind. Das führt dann dazu, dass du dich wie betäubt fühlst und nicht mehr viel fühlst. Darunter leidest nicht nur du, sondern auch dein Partner.


4. Trauma kann zur Perma-Dissoziation führen, bei der du dich gefühllos oder "innerlich tot" fühlen kannst. Dissoziation entsteht, wenn Kampf oder Flucht uns nicht weiterhelfen. Dies ist häufig bei Kindheitstrauma der Fall, denn ein Baby ist noch nicht in der Lage, wirkungsvoll zu kämpfen oder zu flüchten. Es schreit vielleicht wie am Spieß (Kampf), aber wenn nicht darauf reagiert wird, wird das Nervensystem des Baby’s in die Überlebensreaktion der Erstarrung gehen. Wenn das oft genug passiert, entsteht eine Art Konditionierung des Nervensystems. Das führt dann im Erwachsenenalter dazu, dass du dissoziierst, ohne dass du weißt, warum. Das kann so „harmlos“ sein, wie eben ein komischer Blick oder ein falsches Wort deines Partners.


5. Menschen, die unter Kindheitstrauma leiden, können von einem Zustand der Übererregung (Kampf/Flucht) zu einem Zustand der Untererregung (Erstarrung/Dissoziation), also, von einem Extrem ins andere schwanken. Das führt zu immensen Schwierigkeiten in der Partnerschaft, denn wir können nur dann in Verbindung gehen, lieben und uns sicher fühlen mit anderen, wenn unser Nervensystem es uns erlaubt, in die Entspannung zurückzufinden. Das können wir aber nur, wenn wir ein gut reguliertes Nervensystem mit einem gut ausgebildeten, gut genährten Vagus Nerv haben. Kindheitstrauma verhindert aber genau das.


6. Trauma, insbesondere Dissoziation, führt zu Vermeidung: Es kann dazu führen, dass du alle Situationen oder Umstände vermeidest, die dich, auch unbewusst, an das traumatische Ereignis erinnern. Und das können oft sehr nebensächliche Dinge sein, denen wir uns gar nicht bewusst sind. Insbesondere in Beziehung. Wenn also – unbewusst – eine „Körpererinnerung“ getriggert wird, gehen wir unbewusst der Sache aus dem Weg. Das kann deine Fähigkeit, im Alltag und in deiner Beziehung zurechtzukommen, erheblich beeinträchtigen, weil du glaubst, dass du dich nur dann sicher fühlen kannst, wenn du deine Welt kleiner machst. Das kann dann dazu führen, dass du dich von vielen erfüllenden Erfahrungen abschottest.


7. Trauma bewegt dich dazu, dass du dich absonderst von anderen: Kindheitstrauma kann eine unglaublich isolierende Wirkung haben, da es dir schwerfällt, anderen zu sagen, wie du dich fühlst (oft, weil du gar nicht so genau weißt, was du eigentlich fühlst). Oder du glaubst, dass niemand versteht, was du gerade durchmachst. Diese Muster können zu Distanz in Beziehungen und sozialer/emotionaler Isolation führen.


8. Trauma erzeugt Wut und Frustration bei anderen: Nach traumatischen Ereignissen in der Kindheit ist es oft schwer, deine Gefühle und dein Verhalten unter Kontrolle zu haben. Oft reagierst du unangemessen, so dass andere denken, es stünde in keinem Verhältnis zur Situation. Das kann dazu führen, dass andere frustriert oder wütend auf dich sind und dich in dem Glauben bestärken, dass du nie verstanden wirst.






Die Bewältigung der Auswirkungen von Traumata auf deine Beziehung

Ich gebe dir hier einige Strategien an die Hand, die dir helfen können, mit den Auswirkungen von Trauma auf deine Beziehung umzugehen:


- Bestätige deine Erfahrungen: Bestätige dir selbst, indem du anerkennst, dass das, was du erlebt hast, schrecklich war und dass es Sinn macht, dass du immer noch davon betroffen bist.


- Entwickle Körperbewusstsein: Werde dir der Reaktionen deines Körpers und deines Geistes auf Situationen/Reize bewusster, indem du dir die Zeit nimmst, deine Körperempfindungen wahrzunehmen und zu verfolgen, bestimmte Gedanken zu beschreiben, deine Gefühle zu identifizieren und zu benennen und deine Impulse und Reaktionen wahrzunehmen.


- Nutze Erdungstechniken, um präsent zu bleiben: Erdungstechniken wie Atemübungen, das Klopfen mit dem Finger oder die Aufmerksamkeit auf deine fünf Sinne können dir helfen, im Moment präsent zu bleiben. Diese Techniken können besonders hilfreich sein, wenn du mit Flashbacks oder Dissoziation zu kämpfen hast.


- Übe Co-Regulation mit deinem Partner: Co-Regulierung bedeutet, dass du deinen Partner und seine beruhigende Präsenz nutzt, um dich besser zu regulieren und zu erden. Dein Partner kann dir helfen, indem er einen warmen, beruhigenden Tonfall anschlägt, deinen Kummer bestätigt und einfach für dich da ist in seiner Präsenz und Liebe.


- Schaffe Gelegenheiten zur Selbstwirksamkeit: Baue Vorhersehbarkeit und Momente der Selbstwirksamkeit in deinen Alltag ein. Solche Momente helfen dir, dich befähigt zu fühlen, aus einem Gefühl der Selbstwirksamkeit heraus zu handeln. Dein Partner kann dir dabei helfen, indem er verlässlich und beständig ist.


- Suche dir professionelle Hilfe und Unterstützung: Nimm an einer Therapie mit einem Therapeuten teil, der in einem traumainformierten Behandlungsansatz ausgebildet ist. Es gibt ausgebildete Therapeuten, die wissen, was du erlebst und wie du helfen kannst. Bitte melde dich, wenn du oder jemand, den du liebst, mit den Auswirkungen eines Traumas zu kämpfen hat.


- Tritt einer Selbsthilfegruppe bei: Es kann hilfreich sein, sich einer Selbsthilfegruppe für Menschen anzuschließen, die ähnliche traumatische Erfahrungen gemacht haben. So erfährst du, dass deine Gefühle und dein Verhalten nichts Unnormales, sind.


Ich schlage dir hier noch einige Möglichkeiten vor, wie du deinen Partner unterstützen kannst, wenn er oder sie Kindheitstrauma in sich trägt:


Vermeide es, Plattitüden zu verwenden: Vermeide Phrasen wie "Alles geschieht aus einem bestimmten Grund" oder "Was dich nicht umbringt, macht dich stärker". Manchmal passieren schreckliche Dinge ohne Grund und lassen eine Person wie eine zerstörte Version ihrer selbst zurück. Die Erwartung, dass man "stärker" sein oder "einen Sinn" im Trauma finden muss, kann unglaublich entkräftend sein und dazu führen, dass man sich wie ein Versager fühlt. Das macht das Ganze schlimmer, nicht besser.


Halte inne, bevor du reagierst: Nimm dir die Zeit, dich zu beruhigen und deine Emotionen zu regulieren, bevor du in Wut, Frustration oder Verzweiflung auf deinen Partner reagierst.


Habe Mitgefühl: Dein Partner oder deine Partnerin hat vielleicht nicht die volle Kontrolle darüber, wie er oder sie auf einen Traumaauslöser reagiert, und braucht vielleicht Zeit, um die automatische Reaktion zu überwinden, bevor er oder sie eine neue Art zu reagieren lernt. Sei während dieses Prozesses verständnisvoll und mitfühlend mit ihm oder ihr.


Sei geduldig: Denke daran, dass Heilung kein linearer Prozess ist - es wird wahrscheinlich viele Höhen und Tiefen geben. Versuche, dich nicht entmutigen zu lassen.





Suche dir Hilfe: Eine Therapie kann auch dir helfen, um deine emotionalen Reaktionen auf das Ereignis und die Veränderungen bei deinem Partner oder in eurer Beziehung zu verarbeiten.


Ich wünsche mir, dass mein Artikel dir hilft, dich selbst und andere etwas besser zu verstehen. Und vielleicht hast du jetzt den Eindruck, dass Vieles auf dich zutrifft, du aber schlicht und einfach nicht glauben kannst, dass du unter Kindheitstrauma leidest. Mir ging es auch so. Ganz ehrlich. All die im ersten Absatz genannten Punkte trafen auf mich zu, in meiner Kindheit, in meiner Jugend und auch als erwachsene Frau. Erst in 2013 erkannte ich, dass ich traumatisiert war und Kindheitstrauma in mir trug. Ich hatte keine Ahnung gehabt. Aber welch Erleichterung! Endlich begann ich zu verstehen, warum Verhaltenstherapie, Psychotherapie, innere Kind Arbeit, Visualisieren, sogar EMDR und Meditation kaum einen Unterschied gemacht hatten in meinen intimen Beziehungen! Ich war SO froh, endlich zu wissen, wie ich mein Beziehungsverhalten verbessern konnte.


Seitdem geht es stetig bergauf für mich. Und jetzt, wo ich sehen kann, dass Traumalösung den entscheidenden Unterschied für mich gemacht hat, kann ich mit gutem Wissen und Gewissen sagen, dass es funktioniert: Traumaheilung war und ist nötig, wenn die oben genannten Punkte auf dich zutreffen und du eine glücklichere Beziehung haben möchtest - mit dir selbst und mit dem anderen Geschlecht.


Sprich mich noch heute an, um einen kostenlosen Termin mit mir zu vereinbaren. Das erlaubt dir herauszufinden, ob es passt zwischen uns und mir, zu sehen, ob und wie ich dich begleiten kann auf dem Weg zu einer glücklicheren Beziehung mit mehr Freude, Liebe, Verbundenheit, Harmonie und gutem Sex.



Hab dich wohl, liebe Grüße und bis bald,

Aneesha



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